Traumatisierung und Integrationshemmnissen

Traumatisierung und Integrationshemmnissen

Hilfsangebote bei Traumatisierung und Integrationshemmnissen von Flüchtlingen.

Im Rahmen der Veranstaltung „Cafe der Kulturen“ wurden im KOMMZentrum mögliche Auslöser und Definitionen von psychischen Erkrankungen im Flüchtlingskontext sowie Hilfsangebote im Umgang damit vorgestellt.
Stellen Sie sich vor, Sie hatten soeben einen schlimmen Autounfall und sind gerade noch mal mit dem Leben davon gekommen. Als erstes schaltet Ihre Psyche in einen Modus, der einerseits betäubt und andererseits adrenalingesteuert innerlich aufwühlt. Zu einer gewissen emotionalen Leere mit gleichzeitiger Übererregung kommen in den darauffolgenden Tagen vielleicht noch Schlaflosigkeit, Nervosität, Weinkrämpfe, Probleme mit Dingen, die im Normalfall zum Alltag gehören und/oder Schreckhaftigkeit bis Ihre Psyche den Vorfall verarbeitet hat und sich wieder normalisiert. Ein Trauma.

Menschen, die aus ihrem Heimatland flüchten mussten, sind oft traumatisiert und viele von ihnen haben belastende Erlebnisse erfahren, die von der Trennung von den Eltern oder Kindern gehen über schlechte Behandlung in Auffanglagern über extremen Hunger und Kälte bis hin zu Folter und Mord oder Bombenanschläge und Überfälle, bei denen sie gesehen und erlebt haben, wie andere Menschen, auch die eigenen Kinder oder Eltern, getötet wurden. Solche Traumata sind schwer vorstellbar und müssen von der eigenen Psyche irgendwie verarbeitet werden.

Vanessa Raumer arbeitet im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge und Migranten/-innen (PSZ) in Saarbrücken, welches Unterstützung bietet bei der Bewältigung von traumatischen Erlebnissen und Integrationsproblemen (Kontakt: raumerv@lv-saarland.drk.de, Telefon PSZ: 0681-9764254). Sie erklärte in der Veranstaltung „Psychische Probleme bei Flüchtlingen, richtiger Umgang und Hilfsangebote“, dass die sog. PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) innerhalb von sechs Monaten auftreten kann und oft begleitet wird von Flashbacks, plötzlich auftretende Bilder der traumatischen Ereignisse mit den dazu gehörigen Gefühlen, wie große Angst, Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung. Auslöser (Trigger) dafür können alltägliche Dinge sein, die von anderen eventuell gar nicht wahrgenommen werden, wie Farben oder Gerüche. Vor allem für Kinder sind zum Beispiel Feuerwerke solche Trigger, wobei die Knallgeräusche sie in große Angst versetzen können, da sie direkt mit Lebensgefahr in Verbindung gebracht werden.

Die Betroffenen können nach schlimmen Ereignissen in Depressionen fallen, das Gefühl haben, verrückt zu werden oder mit dem Alltag nicht zurecht zu kommen oder aber mit Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen ohne organische Ursachen reagieren. Weitere Symptome sind Traurigkeit, Schlafstörungen, Suizidneigung, Albträume, Wut, Angst, Trauer, Amnesie, Fahrigkeit oder sozialer Rückzug. Auch untypische Reaktionen sind möglich, wie im Falle eines jungen Mädchens, das eine Essstörung entwickelte, weil es in den Auffanglagern auf der Flucht oft verdorbenes Essen erhalten hatte, welches es meist direkt wieder erbrechen musste.

In der Veranstaltung thematisierte die Psychologin Raumer ebenfalls unterschiedliche Lebensumstände und Probleme der Geflüchteten, die bewältigt werden müssen und zu Integrationshemmnissen werden können. Zu nennen wären da vor allem der „Kulturschock“ mit fremder Sprache, Schrift und anderen Verhaltensmustern, aber auch Diskriminierung, schlechte Wohnsituation, der erschwerte Zugang zum Arbeitsmarkt oder der unsichere Aufenthaltsstatus von Angehörigen mit Angst vor der Abschiebung zurück in das Land, wo die Traumatisierungen stattgefunden haben. Auch Schuldgefühle spielen eine große Rolle, etwa, die Familie zurück gelassen zu haben oder wenn das eigene Kind bei der Flucht über das Wasser nicht gerettet werden konnte. In solchen Fällen vermitteln die Mitarbeiter des Projektes HOPE des DRK-Landeverbandes für Flüchtlinge mit Bleiberecht Therapieangebote, die die Aufarbeitung und Bewältigung des Erlebten zum Ziel haben.

Im Umgang mit Traumatisierten sind ehrenamtliche Helfer oft überfordert. Als grobe Richtlinie gab es ein paar Tipps, v.a. Zuhören ohne allzu viele Nachfragen, die Erinnerung, dass sie jetzt an einem sicheren Ort sind oder die Anerkennung, was schon alles geschafft wurde. Wenn man damit nicht weiter kommt, ist es angebracht, zu einer Therapie zu raten, aber auch gegebenenfalls zu akzeptieren, dass keine Hilfe gewollt ist.

Text: Katja Janoschek, Öffentlichkeitsarbeit „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen

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Die Koopeationsveranstaltung von: der Ehrenamtsinitiative „Flüchtlingshilfe Neunkirchen“, dem DRK-Landesverband Saarland e.V./HOPE-Projekt, der Interkulturellen Frauen-Selbsthilfegruppe „Bunte Seelen“ und dem JUZ Neunkirchen.

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Im Rahmen des Projektes „Gelebte Teilhabe und Zusammenarbeit“ vom Ortsverband der Litauer im Saarland, das im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie des Landkreises Neunkirchen“ im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird.
Fotos: Laima Rui